Mobile Remote Moderated UX Testing

Remote-UX-Test-Tool
Personalization

App Testing von zu Hause aus

Besonders bei Zielgruppen, die schwer zu erreichen sind, wie z.B. Krankenhausärzten oder Menschen mit Behinderung, aber auch allgemein viel beschäftigten oder geografisch weit entfernten Personen, bietet sich eine remote Studie über das Internet an. Auch gerade jetzt in der aktuellen Corona-Situation, in der die Menschen nicht mehr vor Ort in das Testlabor kommen können, sind Online-Tests alternativlos geworden.

Abgesehen vom klassischen UX Test am Desktop PC, können mittlerweile auch Smartphone Apps getestet werden, ohne dass sich Testperson und Tester im gleichen Raum befinden müssen. Dazu gibt es verschiedene Tools, die einen moderierten Nutzertest am Smartphone über das Internet ermöglichen. Neben fertigen Websites und Apps können auch Prototypen, wie etwa in InVision, Flinto oder Axure getestet werden, um frühzeitiges Feedback zu erhalten. Der Vorteil der moderierten Variante des remote Usability Tests ist, dass der User Experience Experte dabei mit der Testperson kommunizieren und bei Bedarf Nachfragen stellen kann.

Teilnehmer benötigen lediglich ihr Smartphone und eine stabile Internetverbindung

Die Testteilnehmer benötigen zur Teilnahme an einer solchen Studie ihr Smartphone und eine App zur Bildschirmübertragung und -aufzeichnung (für iOS oder Android). Durch diese App werden sowohl der Smartphone-Bildschirm als auch die Frontkamera der Teilnehmer übertragen. Der Moderator kann dadurch sehen, wie die Teilnehmer eine Website oder App auf ihrem Smartphone nutzen. Zudem können Emotionen und Mimik über die Handykamera erfasst werden. Die Teilnehmer können sich frei in ihrer realen Umgebung bewegen. Die Kommunikation erfolgt über die Freisprechfunktion des Smartphones oder über ein angeschlossenes Headset.

Wir haben gute Erfahrungen mit dem Tool Lookback gemacht, da wir damit Bildschirm, Kamera und Ton des Teilnehmers übertragen können (siehe Artikelbild). Falls kein Zugang zu Lookback vorhanden ist, kann auch beispielsweise Zoom verwendet werden. Bei Zoom wird jedoch die Kamera des Teilnehmers nur übertragen, wenn der Bildschirm des Smartphones nicht geteilt wird. Interessierte Projektteilnehmer können sich sowohl bei Lookback als auch bei Zoom direkt während des Interviews einfach vom eigenen Arbeitsplatz dazuschalten und den Test beobachten. Beide Tools bieten eine Aufnahmefunktion, wodurch die Tests auch im Nachhinein noch angesehen werden können.

Praxistipps zur Durchführung einer mobilen remote Studie

Da wir bei Facit Digital bereits viel Erfahrung mit moderierten remote Studien von Smartphone Anwendungen gemacht haben, finden Sie hier einige Praxistipps, die Ihnen hoffentlich die ein oder andere ungewollte Überraschung ersparen:

  • Stellen Sie sicher, dass Ihre Studienteilnehmer ein aktuelles Betriebssystem auf ihrem Smartphone installiert haben. Die Anforderungen können Sie auf den Websites der Tool-Anbieter oder direkt im Appstore nachlesen. Ist das Betriebssystem zu alt, funktioniert beispielsweise die Bildschirmübertragung nicht.
  • Bitten Sie Ihre Teilnehmer, ihren Browser aufzuräumen und private Daten auf dem Smartphone zu schließen. Da die Teilnehmer ihre eigenen Geräte verwenden, können sonst private Inhalte mit übertragen werden, was den Teilnehmern unangenehm werden könnte.
  • Ähnlich dazu ist es vorteilhaft, wenn die Teilnehmer im Voraus auf ihrem Smartphone die Mitteilungen für die Zeit des Interviews deaktivieren, da sonst beispielsweise die Vorschau von Chatnachrichten übertragen werden könnte.
  • Bitten Sie außerdem Ihre Teilnehmer, wenn möglich, ein Headset zu verwenden. Sie können zwar auch über die Freisprechfunktion kommunizieren, jedoch führt dies oft zu einem störenden Hall-Effekt.
  • Da die Videoübertragung viel Akku verbraucht, sollten Teilnehmer außerdem ihr Smartphone vollständig aufgeladen haben und das Ladekabel für den Notfall in Reichweite liegen.

Michael Wörmann

Moritz Flues

Moritz interessiert sich besonders für ethnographische Forschungsansätze, bei denen der Nutzungskontext der Anwender in den Fokus gerückt wird. Die Beobachtung und Hinterfragung der individuellen Verhaltensweisen sieht er dabei als zentralen Aspekt in der User Experience Forschung.